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Freiheit - Jonathan Franzen (Familiengeschichte)

Netter Hollywood-Kitsch, die üblichen Romantikszenen und am Ende haben sich alle lieb … das spielt’s in diesem Buch nicht. „Freiheit“ erzählt die Geschichte einer amerikanischen Familie. Klingt banal. Ist es aber nicht, nein, gar nicht. Wie mit einem Röntgenblick durchleuchtet der Autor, und mit ihm die Leser, jeden einzelnen Aspekt jedes Familienmitgliedes, jede Emotion, jede Peinlichkeit, jede Angst, jeden inneren und äußeren Kampf.

 

Das Bild, das Franzen malt, ist das der aktuellen Gesellschaft. Dabei ist er aber niemals belehrend oder gar politisch korrekt, sondern immer nur brutal ehrlich. Für zartbesaitete Gemüter kann die Sprache manchmal zu grob sein; ob Sex, ein heftiger Streit, Emotionen aller Art – alles wird schonungslos so beschrieben, wie es eben ist. Ohne Weichzeichnereffekt. Und bei all dieser Tiefe der Charakter- und Situationsbeschreibungen ist die Handlung immer spannend, immer glaubwürdig, zieht einen beim Lesen in den Bann, immer weiter und weiter, bis zum (bitteren?) Ende.

 

Meinung: Was für ein Buch. Für mich persönlich die Neuentdeckung des letzten Jahres. Klar ist aber, dass man „Freiheit“ auch hassen kann. Weil es zu schonungslos ist. Zu brutal. Oder zu langatmig. Da fällt mir gerade ein, dass ich eine lange Passage des Buches einfach nicht gelesen habe. Weil es für mich irrelevant war. Auch das ist möglich. Aber kalt lassen wird das Buch, wenn man sich wirklich auf die Sprache und die Beschreibungen einlässt, niemanden. Für mich war es definitiv etwas Besonderes und ein besonderes Vergnügen.

Das Buch gibt's hier.

 

 

Inhalt (Story, Wissen, Recherche): 80

Sog-Effekt: 100

Sprache: 100

Spannung: 90

Wertung: 92,5